|
How To Play Contemporary Rock Teil 2
von Hansi Tietgen
Versprochen ist versprochen. Nachdem du in Teil 1 des HTPCR Workshops schon einige ziemlich coole Tipps zum Thema Powerchords im ALERTNATIVEPUNKROCKCROSSOVERNEOMETALPLAYING bekommen hast, wollen wir uns in der Fortsetzung, ganz dem Thema Dropped D Tuning widmen. Bands wie Radiohead, Papa Roach oder die Deftones zeigen ziemlich eindrucksvoll, wie positiv sich diese Tuning-Variante auf Power und Intensität des Songwritings auswirken kann.
Starten wir unsere Untersuchungen jetzt mit der Klärung des Begriffes Dropped D Tuning. Hinter dieser wichtig klingenden Bezeichnung, steckt ein ziemlich einfach nachzuvollziehender Sachverhalt: Das Herunterstimmen der E-Saite um einen Ganzton, auf D.
Das komplette Dropped D Tuning, stellt sich so dar:

Um dir zu zeigen, in welcher Weise sich das Verändern der Stimmung, auf die Spielweise der allzeit beliebten Powerchords auswirkt, haben wir dir einen Flash Film anzubieten der sehr anschaulich schildert, was abgeht.
Hier gehts zur Flash Animation...
TIPP: Damit du das Tuning so schnell und unkompiziert wie eben möglich in die Tat umzusetzen kannst, empfehle ich dir grundsätzlich zwei Herangehensweisen.
A: Du spielst die normale D-Saite und stimmst die tiefe E-String so lange herunter, bis die beiden Töne übereinstimmen.
B: Diese Lösung ist was für Pragmatiker: Falls du einen automatischen Tuner dein eigen nennst, stimmst du die E-Saite so lange nach unten, bis das Stimmgerät den klingenden Ton als ein D erkennt. Das Feinstimmen erledigst du dann wie gewohnt. Bei älteren Modellen mit Saiten-Vorwahl, stellst du das Teil auf D ein und verfährst ansonsten weiter, wie gerade schon für den Automatic-Tuner beschrieben. Das war's schon!
------------------------------------------------------------------------------------
So, jetzt weißt du, welche greiftechnischen Vorteile dir das Herunterstimmen der E-Saite bringt. Zeit, uns einmal anzuhören, wie das Ganze in der freien Wildbahn rüberkommt. Zu diesem Zweck habe ich dir ein ziemlich cooles Riff im Stil der Deftones anzubieten, das dir sehr anschaulich zeigt, wie du die vereinfachte Greifweise des Powerchords soundmäßig ausnutzen kannst.
Genau wie die meisten Gitarristen angesagter Alternative-Combos, verwendet auch Deftones Stephen Carpenter Hammering On's und Pull Off's, um die einzelnen Chords eines Songs miteinander zu verbinden. Da der Bewegungsablauf nicht gerade leicht zu meistern ist, habe ich dir zunächst einmal eine Vorübung anzubieten, die dich langsam an diese Technik heranführt.
Jetzt Vorübung hören (181 KB)...

------------------------------------------------------------------------------------
Los geht's. Die Wildnis ruft. Das folgende DROPPEDDPOWERCHORDRIFF steht ganz in der Tradition der Deftones, die mit ihrem Album White Pony, sicher eines der besten Rock-Alben 2000 an den Start gebracht haben. So wie ich dich kenne, hast du die Vorübung auf der letzten Seite sehr gewissenhaft erledigt. Somit wird dir auch das Riff keine großartigen Probleme mehr bereiten.Falls doch, denke immer daran: Langsam spielen hilft!
Jetzt Deftig hören (319 KB)...

------------------------------------------------------------------------------------
Das war doch schon was, oder?! Kommen wir so zu einer anderen Kapelle, die in den letzten Monaten für ordentlich Aufruhr in der Szene gesorgt hat: Papa Roach. Auch PR Gitarrero Jerry Horton ist ein Fan von Dropped D Tunings. Das beweist unter anderem seine Gitarrenarbeit in dem absolut coolen Song Brooken Home, vom aktuellen Papa-Album Infest. Jerry spielt hier eine Mischung aus Dropped D Power Chords und einer zweiten, äußerst effektiven Begleit-Variante: Oktaven. Hören wir uns doch eben schnell mal ein Riff im Stil dieser Nummer an. Danach können wir viel besser über die verwendeten Details sprechen!
Jetzt Papas Home hören (249 KB)...
Mit Doppelklick jetzt Papas Home Slo Mo hören (282 KB)...

Also, dann mal ran. Der erste Takt des Riffs besteht ausschließlich aus den eben schon vorgestellten Dropped D Powerchords. Um das Ganze rhythmisch noch ein wenig aufzupeppen, hat Herr Horton hier zusätzlich Scratches (abgedämpft gespielte Akkorde) bemüht. Im Notentext werden solche Stellen mit einem X gekennzeichnet. In der Praxis unseres Riffs, laufen die Scratches folgendermaßen ab: Du schlägst den zu spielenden Akkord zunächst zweimal in gewohnter Weise an. Bei den X'en angekommen, lässt du den Druck auf die Saiten nach. Achte aber darauf, dass du auf jeden Fall weiterhin den Kontakt zu den Saiten behältst, schließlich wollen wir sie ja abdämpfen! Wenn du jetzt die drei Saiten unseres Powerchords anschlägst, ertönt das typische Tschakk eines Scratches. Doch ein Problem haben wir nach wie vor. Gerade wenn man, wie in unserem Beispiel Papa's Home, verzerrt spielt, reicht die Aktion mit dem DRUCKNACHLASSEN nicht aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Um auf Nummer sicher zu gehen, solltest du zusätzlich den Mittel- und Ringfinger leicht über die Saiten legen. So eingesetzt können sie gute Dienste dabei leisten, die Strings im Zaum zu halten. Sehen ist besser als lesen: Aus diesem Grund haben wir dir zwei Bilder des eben beschriebenen Sachverhalts anzubieten.



TIPP: Falls du Probleme mit grundlegenden Dingen des Gitarrenspiels haben solltest, so empfehle ich dir, mal einen Blick in mein neues Buch Guitar Action How To Play Rock zu werfen. Das Buch führt dich, anhand von Songs und Riffs in angesagten Stilistiken wie Crossover,Punk, oder Alternativ, langsam an die wichtigsten Mechanismen des E-Gitarre-Spielens heran. Schau doch mal rein!
Soviel dazu. Kommen wir zum zweiten Takt von Papa sein Haus. Jerry verwendet hier, wie Anfangs schon erwähnt, ausschließlich Oktav-Griffe. Was sich genau hinter diesem Begriff verbirgt, erfährst du auf der nächsten Seite!
------------------------------------------------------------------------------------
Isoliert betrachtet, sieht ein Oktav-Griff, so aus:

Wie du unschwer erkennen kannst, kommen auch hier wieder unsere beliebten X'e zum Einsatz. Doch wie zum T. kriegt man das jetzt wieder hin? Kein Thema! Bringe einfach deinen Zeigefinger in eine gewisse Schräglage, so dass dieser die abzudämpfende D-Saite leicht berührt. Schon ist Ruhe, du wirst sehen! Um zu gewährleisten, das dir auch die tiefe E-Saite soundmäßig nicht ins Handwerk pfuscht, solltest du mit dem freibleibenden Mittelfinger für eine gedämpfte Stimmung sorgen.
Die Oktavgriffe sind eine nette Ergänzung zu unserem allzeit beliebten Thema Powerchording. Genau wie die Powerchords, kann man auch Oktaven in allen denkbaren Situationen zum Besten geben. Damit du die Chance hast, dich vom positiven Sound dieser Greifweise zu überzeugen, haben wir dir jetzt noch eine Übersicht der Oktaven der D-Dur Skala anzubieten. Bedien dich und lass deiner Experimentier-Freude freien Lauf:
Die Oktaven der D-Dur Scale
------------------------------------------------------------------------------------
Jetzt wird es richtig interessant. Haben wir in unseren bisherigen Beispielen ausschließlich auf pure Powerchord-Sounds zurückgegriffen, so kommt bei unserem nächsten Riff schon eine gehörige Portion an zusätzlicher Klang-Farbe ins Spiel. Never Change A Winning Team heißt's im Volksmund. Bleiben wir also unserer etablierten Heransgehensweise treu und hören uns das Teil zunächst einmal in Aktion an, bevor wir uns dann den spieltechnischen Details widmen. Viel Vergnügen.
Jetzt Colour Me Blind hören (319 KB)...
Jetzt Colour Me Blind Slo Mo hören (506 KB)...

WOW,ein echter Knaller! Aber ich glaube, um das Teil richtig zu verstehen, solltest du dir auf jeden Fall auch die Slo Mo Version reinfahren. Das stark reduzierte Tempo wird es dir leichter machen, die spieltechnischen Details herauszuhören. Apropos Details. Blätter doch mal auf die...
------------------------------------------------------------------------------------
Eines der herausragenden Merkmale des Songs ist, wie eben schon erwähnt, der forcierte Einsatz von Klangfarben. Im Normalfall hat man beim Spiel mit Powerchords, mit der Unterscheidung von Dur und Moll, absolut nichts am Hut. Im ersten Takt unseres Beispiels sieht die Sache schon ganz anders aus. Schau dir doch mal die folgende Abbildung an:

Wie du siehst, kann man durch das schnöde Hinzufügen von Tönen, eine ganze Menge aus unserem altvertrauten Poweronkel herausholen. Teste diese Akkord-Variationen doch auch mal in Verbindung mit deinen eigenen Songs an. Du wirst sicherlich feststellen, dass man mit diesem Trick auch einfache Akkordfolgen einen gehörigen Schritt weiter nach vorne bringen kann. Wenden wir uns jetzt aber wieder Colour Me Blind zu. Der dritte Takt des Riffs lebt von der akuraten Umsetzung der Pausen. Auch hier können uns die eben zum Thema Scratching erfahrenen ABDÄMPFDETAILS, weiterhelfen. Die Herangehensweise ist dieselbe: Lasse den Druck nach und lege, um auf Nummer sicher zu gehen, die arbeitslosen Mittel- und Ringfinger über die Saiten. Zusätzlich zu dieser Maßnahme kannst du außerdem noch mit dem Handballen deiner Schlaghand für Ruhe sorgen, indem du sie in Höhe der Brücke, auf die Saiten legst.
Kommen wir so zu Takt fünf des Songs. Hier kannst du noch einmal mit Nachdruck, den Einsatz von Oktaven im öffentlichen Leben, studieren. Lass dich von den Scratches nicht aus der Ruhe bringen. Um das Ganze perfekt umzusetzen, kann es nur einen Tipp geben: Spiele sehr, sehr laaaangsaaaaam! Nur so bekommst du die Chance, alles vernünftig auf die Reihe zu bekommen!!! So, das wäre geschafft. Der Rest des Riffs, sollte kein Problem mehr für dich darstellen!
Und damit sind wir auch schon am Ende unseres kleinen Workouts zum Thema Dropped D Tuning. Ich hoffe, du hast alles verstanden und eperimentierst jetzt erst mal wie wild drauf los! Falls du mit dem ein oder anderen hier vorgestellten Fragment, Probleme haben solltste, ist das kein Armbruch. Mach dir die Mühe und maile mir eine kurze Beschreibung deines Problems und ich werde umgehend versuchen, dir zu helfen.
Wir sehen uns, spätestens im dritten Teil des HTPCR Workshops! Mach's gut und wie gesagt: Grundsätzliches Übematerial zu allen wichtigen Themen des zeitgemäßen Gitarrenspiel, findest du in meinem neuen Buch Guitar Action How To Play Rock I.
So Long Hansi

|